
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933 waren die Gefängnisse in Deutschland mit politischen Gegnern des NS-Regimes überbelegt, es wurde nach anderen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht. Im April 1933 ließ der Torgauer Landrat auf Anfrage prüfen, wann und wie viel Gefangene im ehemaligen Zuchthaus Lichtenburg untergebracht werden können. Er verwies zwar auf den schlechten baulichen Zustand und fehlende sanitäre Anlagen und Heizkörper, aber trotzdem erfolgte die Anweisung, dort ein Konzentrationslager für zunächst 500, später eventuell 800 männliche Gefangene einzurichten.
Am 12. Juni wurden 50 Häftlinge überführt, die mit handwerklichen Tätigkeiten das zukünftige KZ Lichtenburg bezugsfähig machten. Am 13. Juni 1933 wurde das „Sammellager Lichtenburg“ offiziell eröffnet und war damit eines ersten staatlichen Konzentrationslager für Männer Deutschlands. Die ersten Inhaftierten waren überwiegend KPD-Angehörige und –Sympathisanten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und Intellektuelle unterschiedlicher Berufe und politischer Auffassungen. Außerdem wurden „Ernste Bibelforscher“ (Zeugen Jehovas), Homosexuelle, vermeintliche Rasseschänder (Menschen jüdischer Abstammung), „Berufsverbrecher“ bzw. sogenannte Vorbeugehäftlinge dort gefangengehalten.
Am 20. Juni 1933 wurden 450 sogenannte Schutzhäftlinge aus anderen Gefängnissen in die Lichtenburg überführt, Ende September 1933 waren bereits 1675 Männer in der Lichtenburg inhaftiert und die Planzahlen damit weit überschritten. Die Aufsicht über das KZ Lichtenburg übernahmen mit der Lageröffnung SS-Männer der 26. SS-Standarte „Paul Berck“ (mit Sitz in Halle/Saale) im Regierungsbezirk Merseburg. Allerdings oblag die Führung und Schulung der SS-Hilfspolizisten anfangs noch der Polizei. Ab August 1933 zog sich die Schutzpolizei aus der Bewachung des „Sammellagers“ Lichtenburg zurück und übergab diese vollständig an den „SS-Sondersturm Lichtenburg“ unter Befehl von SS-Truppführer Edgar Entsberger.
Im Mai 1934 beauftragte Heinrich Himmler den damaligen Dachauer Lagerkommandanten Theodor Eicke, das zeitweise zentrale und größte preußische Konzentrationslager Lichtenburg in eine neu zu errichtende und zentral geführte SS-Verwaltung für alle deutschen Konzentrationslager – die spätere „Inspektion der Konzentrationslager“ – zu überführen. Unter den Gefangenen des Männerlagers fanden sich zahlreiche prominente Vertreter aus Politik und Gesellschaft wie Ernst Reuter (Bürgermeister Magdeburgs), Friedrich Ebert (Sohn des ersten Reichspräsidenten), Wolfgang Langhoff (Schauspieler), Theodor Neubauer (KPD-Reichstagsabgeordneter) und viele andere bekannte Persönlichkeiten.
1936 waren die Kapazitäten des bestehenden Männerlagers nicht mehr ausreichend, im Oktober desselben Jahres wurde ein Großteil der Lichtenburger Häftlinge in das KZ Sachsenhausen und 1937 wurden alle jüdischen Häftlinge nach Dachau transportiert. Mitte August 1937 wurde das Männerlager Lichtenburg aufgelöst und die restlichen ca. 1330 Gefangenen aus der Lichtenburg in das neu errichtete KZ Buchenwald überführt.
Damit war die Nutzung der Lichtenburg als Konzentrationslager aber nicht beendet.
Von 1937 bis 1939 befand sich in der Lichtenburg ein Frauen-Konzentrationslager. Im Herbst 1937 wurde beschlossen, die Lichtenburg als zentrales Frauen-KZ für das gesamte Deutsche Reich einzurichten. Es sollte ca. 500-600 Frauen aufnehmen und die Gefangenen sollten ausschließlich durch weibliches Aufsichtspersonal bewacht werden.
Am 15. Dezember 1937 wurde mit einem Transport von 200 weiblichen Häftlingen aus Moringen in die Lichtenburg das frühere Sammellager wieder in Betrieb genommen. Mitte April 1938 waren dort ca. 1064 Frauen inhaftiert und das Frauen-KZ, entgegen den ursprünglichen Planungen, zahlenmäßig überbelegt. Die gefangenen Frauen setzten sich aus Politischen, „Rasseschänderinnen“ (Jüdinnen), sogenannten Kriminellen, „Asozialen“ und „Ernsten Bibelforscherinnen“ (Zeuginnen Jehovas) zusammen. Namhafte weibliche Inhaftierte waren Lotti Huber (Schauspielerin), die Jüdin Olga Benario-Prestes und Paula Billstein (Bibelforscherin).
Ab dem 15. Mai 1939 wurden alle weiblichen Häftlinge aus Lichtenburg nach Ravensbrück überführt, am 21. Mai waren im KZ Ravensbrück 974 Frauen registriert. Die Kommandanturangestellten und eine große Zahl der Aufseherinnen wurden vom KZ Ravensbrück übernommen. Das Frauen-KZ Lichtenburg war somit der direkte Vorläufer für das Frauen-KZ Ravensbrück.
Nach Auflösung des Frauenlagers im Mai 1939 erfuhr Lichtenburg eine sofortige Umnutzung als Stützpunkt der kasernierten SS-Totenkopfverbände. Ab Juni befand sich ein Panzerabwehr-Lehrgang in Kompaniestärke vor Ort, der formal zur 2. SS-Totenkopfstandarte „Brandenburg“ gehörte und mit Wirkung vom 1. Februar 1939 in Berlin-Adlershof gebildet worden war.
Der Beginn des Zweiten Weltkrieges setzte eine nächste Zäsur. Mit dem Aufbau der Waffen-SS als zweitem Militärverband neben der Wehrmacht erfolgte auch eine Umstrukturierung der Ersatzeinheiten der SS-Totenkopfverbände. Von November 1939 bis Juni 1940 fungierte die Schlossanlage als Ausbildungslager für das II. SS-Totenkopf-Infanterie-Ersatzbataillon sowie temporär für die SS-Totenkopf-Infanterie-Panzerabwehr-Ersatzkompanie.
Noch 1940 wurde das Schloss Lichtenburg durch die Waffen-SS neu belegt. Zum einen erhielt Prettin spätestens im Dezember ein SS-Hauptzeugamt, zum anderen ein SS-Bekleidungslager. Dessen zunächst zehnköpfiges Kommando rekrutierte sich aus dem Personal des versetzten SS-Ersatzbataillons, der Führer des SS-Versorgungslagers Norbert Both versah zuvor ebenfalls seinen Dienst in Prettin. Dem SS-Hauptzeugamt unterstanden rund 40 SS-Männer. Beide SS-Dienststellen waren organisatorisch voneinander getrennt.
Im Oktober 1941 überstellte das KZ Sachsenhausen die ersten Häftlinge in das Außenlager Prettin. Die Gefangenen verrichteten sowohl im Versorgungslager (circa 15 Häftlinge) als auch im Hauptzeugamt (circa 50 Häftlinge) Zwangsarbeit. Verantwortlich für die Bewachung der Gefangenen zeigte sich bis zur Räumung des Komplexes SS-Unterführer Kaspar Wallner, der bis September 1941 als Leiter des SS-Ausrüstungs- und KZ-Außenlagers Brandenburg fungiert hatte und anschließend mit den ersten Gefangenen nach Prettin kam. Unter seinem Kommando sind keine Misshandlungen oder Tötungen von Häftlingen überliefert. Am 23. April 1945 wurden beide SS-Dienststellen und das KZ-Außenlager aufgelöst.
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